Mirror Of Deception – Transience – Album Review

Mirror Of Deception – Transience
Herkunft: Esslingen / Deutschland
Release: 27.03.2026
Label: Eigenveröffentlichung
Dauer: 43:11
Genre: Doom Metal


Das Doom-Genre nimmt alle paar Jahre Anlauf und man hört Großes auf die Hörerschaft zukommen. Doch während die Bands dunkel-funkelnde Perlen abliefern, bleibt das Genre doch in seiner kleinen Gemeinschaft gefangen. Kein Flächenbrand bricht in der Community aus. Jedes neue edle Stück Holz bringt die Flamme wieder zum Lodern und wirft einen hellen Schein in unseren grauen Alltag.

Es sind wohl der Meisteralben nicht genug, um alle Metaller in dauerhafte helle Aufregung zu versetzen und dadurch die schwarze Masse zu aktivieren. Es scheint fast so, als ob es so sein soll und sich das Doom-Genre damit abgefunden hat für ewig auf kleiner Flamme zu kochen.

Wärme im Dunkel

Solch eine Fackel aus einem alten Stamm gehauen ist das sechste Album der alten Haudegen von Mirror Of Deception. Still und leise ist der 35.Jahrestag der Bandgründung letztes Jahr verstrichen. Doch zum Glück hat sich der Vierer aufgerafft und in Eigeninitiative Transience veröffentlicht. Dass es keine Experimente oder Abweichungen auf dem Album geben wird, hat wohl jeder gewusst. Das die Band nur Qualität liefert, gehört zu deren Selbstverständnis und deshalb ist Transience auch kein Album, welches man ungehört stehen lassen kann.

Das große Plus der Band ist die Atmosphäre, die ihre Musik verbreitet. Es ist nicht das Streben nach größtmöglicher Härte, sondern das Transportieren von Gefühlen und Gedanken, was die vier Herren meisterlich beherrschen. Zur Musik kommen noch die Inhalte, welche sich mit Sein und Verlöschen beschäftigen. Ab der Geburt streben wir dem Ende entgegen und jeder von uns hat schon nach dem Sinn von Schöpfung und Vergehen nachgedacht. Was bleibt nach unserem Ableben? Lohnt es sich stetig nach Höherem zu streben, wenn alles unwiderruflich wieder vergeht?

Die Leichtigkeit der schweren Musik

All diese schweren Gedanken vermitteln uns Mirror Of Deception auf faszinierende Art und Weise.
Ab dem Opener Death, Deliver Us, den man HIER anhören kann, paaren sie weite Melodien mit Melancholie und eingängigen Riffs. Auch bei den folgenden Kompositionen, wie Currents und Slow Winds spürt man diesen epischen Touch in Verbindung mit einem ruhigen aber stetigen Vorwärtsdrängen.

Das in der Mitte platzierte Haven lässt dagegen die Zügel etwas lockerer. Als Resultat gibt es eine druckvolle und im Vergleich zu den anderen Tracks fast schnelle Nummer. Auch die dezent eingesetzten Growls und das rüde Schlagzeug tragen zu einem rauen und dynamischen Highlight bei.

Klangstrudel und Mäander

Kein Song gleicht dem anderen und immer wieder spüre ich wie Mirror Of Deception auch aus anderen Genres schöpfen. Consumed hat epische Breite und besonders zu Beginn der Komposition fühle ich zarte Anklänge an die Kanadier von Agalloch.

Ich möchte mich nicht festlegen, ob die Band den Hörer immer tiefer in den Klangstrudel zieht oder die Songs immer intensiver werden. Das Finale aus The Sands und besonders Meander ist jedenfalls meisterhaft. Meander trägt wahrscheinlich die größte Bandbreite aller Songs in sich. Es startet fast schon still und hat temporäre von den Gitarren getragene Steigerungen. Es ist ein Auf und Ab der musikalischen Gefühle. Akustische Momente werden von Doom-Salven unterbrochen und verklingen wieder. Schade, dass dann alles schon vorbei ist. Müssen wir wieder acht Jahre auf das nächste Meisterstück warten?


Fazit
Mirror Of Deception sind Urgesteine des Doom. Das demonstriert jeder einzelnen Track auf Transience. Das Werk ist tief emotional eingefärbt und spielt mit epischen Momenten genauso wie mit vereinzelten schwarzmetallischen Anklängen. Das Album ist ganz großes Ohrenkino und sollte aufgrund seiner Qualität und Breite nicht nur von Doom-Freunden entdeckt werden.
9 / 10

Line Up
Michael Siffermann – Gesang/ Gitarre
Jochen Fopp – Gitarre
Pascal Schrade – Gesang/ Bass
Uwe Kurz – Schlagzeug

Tracklist
01. Death, Deliver Us
02. Currents
03. Haven
04. Slow Winds
05. Consumed
06. The Sands
07. Meander

Links
Bandcamp Mirror Of Deception
Instagram Mirror Of Deception
Facebook Mirror Of Deception


Außerdem auf Soundmagnet.eu
Album Review – Ghost Bath – Rose Thorn Necklace
EP Review – Grand Massive – Houses Of The Unholy
Album Review – Green Carnation – A Dark Poem, Part I: The Shores of Melancholia

Cooler Artikel? Diskutiere mit auf Facebook!
[Total: 1 Average: 5]