House Of Lords – New World – New Eyes – Perle des Plüsch – Album Review

House Of Lords – New World – New Eyes
Herkunft:
USA
Release:
12.06.20
Label: Frontiers Music srl
Dauer:
48:10
Genre:
Melodic Rock / Metal


Foto Credit: Tallee Savage

Wer in den 1980ern mit MTV Headbangers Ball aufgewachsen ist, als die Frisuren von so manchem Rock Musikern, die ihrer weiblichen Begleitung überragte, kam auch an den House Of Lords nicht vorbei, die ihre ersten beiden Alben auf dem neu gegründeten Label von KISS Schlabberzunge Gene Simmons veröffentlichten. Entstanden ist die Band aus Keyborder Gregg Giuffria‘s Band Giuffria, die mit Lanny Cordola (Gitarre), Chuck Wright (Bass) und Ken Mary (Drums) hochkarätig besetzt war und schon vorher zwei erstklassige Melodic Rock Alben herausgebracht hatte. James Christian ergänzte als neuer Sänger das Line-Up. Offensichtlich wurden auch einige Dollar zur Vermarktung in die Hand genommen, um House Of Lords neben Whitesnake, Winger oder Bon Jovi als Melodic Rock Band zu etablieren. Mehr als Platz 58 der US Charts für I Wanne Be Loved oder Platz 72 für das Blind Faith-Cover Can’t Find My Way Home kam dabei trotz aufwändig produzierter Clips leider nicht heraus.
Mit dem dritten Album (Demons Down 1992) erfolgte ein Line-Up und Labelwechsel und danach die zwischenzeitliche Auflösung der Band, bis 2002 die Originalbesetzung für ein paar Konzerte wieder zusammenfand. Ein Album folgte 2004 (The Power Of The Myth) erstmals auf Frontiers Music. Allerdings verließen nach und nach wieder alle Mitglieder die Band – bis auf Sänger James Christian, der sich die Namensrechte sicherte und mit neuer Mannschaft seitdem regelmäßig beim italienischen Melodic Rock Spezialisten Frontiers Music neue Alben veröffentlicht. So ist New World – New Eyes das inzwischen zehnte Studioalbum der House of Lords. Der Frisurentrend hat sich zum Glück ja inzwischen verändert.

Musikalisch hingegen bewegen sich House Of Lords auf bekanntem Terrain, was der Titeltrack New World New Eyes gleich unter Beweis stellt. Melodischer, stadiontauglicher Hardrock, der stark in den 1980ern verwurzelt ist und heute eine Renaissance erlebt, schallt mir entgegen. Die Keyboards sind präsent, aber nicht zu aufdringlich, eine eingebaute Banjomelodie erzeugt latentes Cowboyfeeling. Pianoklänge, Streicher und Synthiesounds leiten Change (What’s It Gonna Take) ein, bei dem die Gitarren zu Lasten von Percussion und Keyboards leider weitestgehend im Hintergrund bleiben. Die Nummer erinnert mich irgendwie mehr an Bands wie Loverboy oder Bad English, was aber nicht weiter verwundert, da die Band bei vielen Tracks des Albums auf externe Songwriter wie unter anderem Mark Spiro (Giant, Bad English, Cheap Trick usw.) zurückgegriffen hat. One More drückt wieder mehr nach vorne und ist eine geschmeidige Hardrocknummer mit Ohrwurmrefrain. Großartige Balladen haben House Of Lords ja schon seit ihren Anfangstagen im Repertoire, Perfectly (You And I) reiht sich da als weiterer Schlüpferstürmer ein.

Auf The Both Of Us wird wieder arenatauglich gerockt, Jimi Bell darf auch mal ein kerniges Solo in dem ansonsten keyboardlastigen Song verbraten. Chemical Rush rezipiert Whitesnake mit seinem fetten Groove und auch James Christian klingt phasenweise wie David Coverdale – wenn nur der schreckliche Refrain nicht alles kaputt machen würde.
We’re All That We Got fängt ebenfalls richtig gut an, bis auch hier der furchtbare, poppige und aufgesetzte Refrain den Song ruiniert. Better Off Broken kommt zum Glück ohne diese unpassenden Effekte aus, wirkt aber dennoch ziemlich zahnlos und glattpoliert, genauso wie $5 Buck Of Gasoline, das ebenfalls mehr nach weichgespülten Bad English als nach den vergangenen Großtaten von House Of Lords klingt. Ansatzweise kann man das bei The Chase vorfinden, wenn die Gitarre mal schön fett brät. Leider quäken auch hier die Keyboards aufdringlich und machen jedes Rock ‘n’ Roll-Gefühl zunichte. Mit dem Up-Tempo-Rocker The Summit gibt es zum Glück am Ende des Albums doch noch einen versöhnlichen Abschluss, bei dem der Beat und die Gitarre klar im Vordergrund stehen.


Fazit:
Warum sich James Christian und seine Mannschaft mit ihrem zehnten Studioalbum zu großen Teilen in die Hände von externen Songwritern begeben haben, will sich mir nicht ganz erschließen, denn dadurch wurde die Hard Rock DNA von House Of Lords stark verwässert. Nach dem guten Start mit dem Titelsong New World – New Eyes, einer Melodic Rock Perle der Marke One More und der gelungenen Ballade Perfectly (You And I), verflacht das Album zusehends, was mir unter dem Strich auch nur noch schwache 6/10 abnötigt, da meine Erwartungen doch ziemlich enttäuscht wurden.


Line Up
James Christian – Gesang
Jimi Bell – Gitarre
BJ Zampa – Schlagzeug
Chris Tristram – Bass

Tracklist:

01. New World New Eyes
02. Change (What’s It Gonna Take)
03. One More
04. Perfectly (You And I)
05. The Both Of Us
06. Chemical Rush
07. We’re All That We Got
08. Better Off Broken
09. $5 Buck Of Gasoline
10. The Chase
11. The Summit

Links:
Facebook House Of Lords
Webseite House Of Lords

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