HELA – A Reign To Conquer – Album Review

HELA – A Reign To Conquer
Herkunft: Spanien
Release: 27.02.2026
Label: Ardua Music
Dauer: 45:44
Genre: Melodic Doom Metal


Die Spanier von HELA haben schon einen langen Weg mit einigen Unterbrechungen hinter sich. Obwohl die Band schon 2012 gegründet wurde, ist A Reign To Conquer erst das vierte Werk. Bisher wurden alle Werke der Band hochgelobt und auch das neue Werk fesselt den geneigten Hörer ab dem ersten Ton.

Das A Reign To Conquer so gut zündet, liegt mit Sicherheit an der musikalischen Kompetenz der noch verbliebenden drei Ur-Mitglieder. Sie haben mit sicherem Gespür die offene Stelle am Gesang mit der (nur mir?) unbekannten Sängerin Raquel Navarro neu besetzt. Die Frontfrau übernimmt die akustische Hauptkomponente mit solcher Sicherheit und Präsenz, dass kein Unterschied zu einem langjährigen Profi zu erkennen ist.

Goldener Aufbruch

Mittlerweile hat sich jedes Subgenre des Metal so untergliedert, dass sich die Outputs von Doom Band wie Tag und Nacht unterscheiden können. HELA liegen in der Mitte des Tages und präsentieren uns einen vertonten späten Nachmittag. Die Sonne durchdringt alles mit goldenen und warmen Strahlen und die raue Kühle der kommenden Nacht ist nur in Nuancen zu spüren.

Von groben vordergründigen Riffs und zähen Doom-Brocken sind die Spanier weit entfernt. Eher kann man die Songs als melancholisch vertonte Dramatik bezeichnen. Die warme und manchmal flehende Stimme der Sängerin wird umstellt von der dichten musikalischen Front ihrer Hintermänner.

Emotionen mit zunehmender Intensität

Dabei ist vielleicht der Opener Vessel To Nowhere noch am langsamsten und härtesten ausgefallen. Doch schon HIER hört und spürt man, dass es HELA nie um die sonst im Genre übliche Härte geht, sondern um die Einbindung großer Melodien und Emotionen geht. Sprechpassagen und emotionsgeladene, flötengleiche Passagen bringen nicht nur des Metallers sondern auch das Herz des Gothic-Freundes zum Schmelzen.

Obwohl die Zutaten der Kompositionen sich nie grundlegend ändern, gibt es deutliche Unterschiede in den Songs. Das folgende The Infinite Tower ist von ausgesprochener Zartheit und könnte auch von den französischen Alcest kommen. Was immer zu Verzeichnen ist, bleibt das stetige Anschwellen der Intensität in den Songs. Die Frontfrau hält dabei die Dramatik bei, während die drei Herren sich immer mehr ins Zeug legen und so den Sound verdichten. So endet Song zwei auch kaum noch im doomigen Tempo, sondern läd final schon eher zum Headbangen ein.

Sich in Schönheit ergeben

Ein klassisches Gitarrensolo findet der Hörer in den Kompositionen nicht. HELA zelebrieren für die Gänsehaut des Zuhörers und nicht um Mitzugröhlen und Fäuste zu schütteln. Crystal Bridge schwankt zwischen vorwärts treiben und sich in Schönheit ergeben. Wenn der Zuhörer glaubt, dass die Band gleich explodiert, setzen HELA einen musikalischen Stopp durch filigrane Passagen.

Es folgt mit Emerald Mirror ein musikalisches Auf und Ab. Stetig wächst der Song und fällt wieder zurück, wie man HIER anhören kann. Auffällig ist nicht nur die Intensität, sondern auch die gesteigerte Kraft des Gesangs beim Finale des Songs. Da muss schon ein gepflegter Doublebass her, um Raquel Navarro’s Leistung zu treffen.

Der Deckmantel der Nacht

Es kommt, wie es fast immer so ist, denn das Ende des Albums fasst alles Trademarks zusammen und ist somit ein würdiger Abschluss des musikalischen Teppichs, den uns HELA gewebt haben. Die Spanier zelebrieren ein letztes Mal diesen großen emotionalen Spannungsaufbau. Nach zwei Minuten des Aufbaus, folgt eine Intensivierung, welche in einen ruhigen Part mündet.

Schwer und dicht wie die hereinbrechende Nacht legt sich der Sound um den beschwörenden Gesang und plötzlich endet alles. Schade eigentlich, denkt der Hörer und trotzdem ist alles gesagt und gesungen. Doch nicht jede Facette ist beim ersten Hören zu begreifen und so lohnt es sich das Album mehrfach zu hören.


Fazit
HELA spielen keinen klassischen Doom. Vielmehr zelebrieren die Spanier auf A Reign To Conquer einen vielschichtigen, warmen, aber schweren Sound. Es ist eine große Reise durch ein dichtes Geflecht aus Melodien und Emotionen. Einen wichtigen Anteil am Gelingen hat die Frontfrau Raquel Navarro, die für mich die große Überraschung auf dem Album darstellt.
8,5 / 10

Line Up
Gesang – Raquel Navarro
Gitarre, FX – Julián Velasco
Bass – Tano Giménez
Schlagzeug – Miguel Fernández

Tracklist
01. Vessel To Nowhere
02. The Infinite Tower
03. Crystal Bridge
04. Emerald Mirror
05. Architect Of Disorder
06. Nomad

Links
Webseite HELA
Facebook HELA


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